EGGE-WESER |
Bd. 7 |
Seite: 39-56 |
Höxter 1995 |
MORPHOLOGISCHE DIFFERENZIERUNG DER ORCHIS MASCULA IN ABHÄNGIGKEIT VON DER VARIABILITÄT STANDÖRTLICHER GEGEBENHEITEN
Christian Evertz und Lars Meckelnburg
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Inhalt
- VORWORT
- KURZFASSUNG
- EINLEITUNG
- GEOGRAPHISCHE UND TOPOGRAPHISCHE LAGEBESCHREIBUNG DES UNTERSUCHUNGSGEBIETES
- GEOLOGISCH-GEOMORPHOLOGISCHE STRUKTUR DES UNTERSUCHUNGSGEBIETES
- KLIMATISCHE GEGEBENHEITEN DES UNTERSUCHUNGSGEBIETES
- BODENFORMATION DES UNTERSUCHUNGSGEBIETES
- ARBEITSWEISEN, ARBEITSVERFAHREN UND ZIELSETZUNG DER UNTERSUCHUNG
- BESCHREIBUNG DER FORMENVIELFALT BEIM STATTLICHEN KNABENKRAUT (ORCHIS MASCULA)
- INTERPRETATION DER AUSWERTUNG
- TAXONOMIE UND SYSTEMATIK
- MAßNAHMEN ZUR ERHALTUNG DES BESTANDES
- LITERATURNACHWEIS
Vorwort
Bedingt durch die Tatsache, daß das Weserbergland für seinen
Orchideenreichtum bekannt ist und in der Nähe unserer Heimatstadt große
Orchideenvorkommen mit einer enormen Formenvielfalt auf engem Raum zu
verzeichnen sind, stellten wir uns im Rahmen unserer Arbeit die Frage, ob eine
modifikatorisch bedingte morphologische Differenzierung von Orchis mascula
stattfinden kann. In der gängigen Fachliteratur ist bei anderen Orchideenarten
die Rede von Standortmodifikationen, nicht aber bei Orchis mascula.
Unsere Untersuchungen beschränken sich auf ein 2 ha großes Areal, auf dem 500
Orchideen zu verzeichnen waren. Da dieses Gebiet noch nicht unter Naturschutz
steht, kommen wir dem Wunsch des Betreuers dieses Areals nach, keine genaue
Lagebeschreibung anzugeben.
Wir möchten an dieser Stelle recht herzlich unserem Betreuungslehrer OStR
Hans Barth danken, der uns mit seinen fachkundigen Ratschlägen zur Seite stand
und bereitwillig seine kostbare Zeit opferte.
Kurzfassung
Orchideen sind mit ihrem Alter von 15 Millionen Jahren bekanntlich eine der
jüngsten Pflanzenfamilien, was im Gegensatz zu anderen Pflanzenfamilien, die
bereits auf 100 Millionen Jahre Geschichte zurückblicken können, zu einer wenig
differenzierten Abgrenzung von nahverwandten Arten führt. Aufgrund dieser
Tatsache gibt es eine Fülle von Artengruppen innerhalb der Orchidales, die
oftmals durch fließende Übergänge eine phylogenetische Unterscheidung äußerst
schwierig gestalten lassen. Ein hervorragendes Beispiel für die überaus hohe
Variabilität stellt Orchis mascula dar, die auf einer rund 2 ha großen
Fläche im südöstlichen Weserbergland in einer bemerkenswert großen Population
vorkommt. Ziel der Untersuchung ist es, die enorme Formenvielfalt bei Orchis
mascula, da sie in den gängigen Exkursionsfloren nirgendwo erwähnt wird, zu
erfassen und darzustellen. Man hat das Untersuchungsgebiet in drei Zonen
geteilt, die durch ihre Vegetation innerhalb jeder Zone bestimmte abiotische
Faktoren aufweisen. Orchis mascula zeigt auf der Untersuchungsfläche von
rund zwei Hektar eine enorme Variabilität in der Gestaltung des Cormus (vgl.
Abb. l/ Abb. 4). Die
Merkmalsdifferenzierung reicht von kurzsprossigen zu langsprossigen Exemplaren.
Dabei treten Unterschiede von 43 cm auf. Vor allem die Unterschiede in der
Farbintensität der Einzelblüten ist hierbei auffällig. Das Farbenspektrum reicht
von blaßviolett, in Einzelfällen von weißlichen Blüten, über violette Formen zu
tiefvioletten dunklen Varianten. Betrachtet man den Gesamthabitus der einzelnen
Orchis mascula-Formen, so
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lassen sich immer wieder in Erscheinung tretende Merkmalspaarungen oder
Kombinationen spezifisch morphologischer Strukturen nachvollziehen. Die
Merkmalsdifferenzierung erfolgt kontinuierlich. Durch die abiotischen Faktoren
findet eine Anpassung der Orchis mascula statt, was z. B. die Intensität
des Lichtes belegt: Es tritt die charakteristische Erscheinung der Vergeilung
auf. Auch wenn bei den Monokotyledonen wie bei Orchis mascula weniger die
Länge der Sproßachse als vielmehr die Länge der Blätter verändert wird, so weist
das Längenwachstum der Orchis mascula deutlich auf einen Lichtmangel hin.
Es findet also durch die Veränderung der abiotischen Faktoren, bezogen auf den
Standort der Orchideen, eine Metamorphose von Blättern und Sproß statt. Selbst
unter der Berücksichtigung, daß genetische Untersuchungen nicht angestellt
wurden und das Untersuchungsgebiet als kleinräumig anzusehen ist, kann man
insgesamt dennoch von einer ökologischen Differenzierung des Artbereichs durch
eine Öko-Cline-Bildung sprechen. Da davon auszugehen ist, daß die Familie der
Orchidaceen – evolutiv gesehen – sehr jung ist und eine typische schrittweise
Merkmalsverschiebung schneller zur Wirkung kommt, herrscht im Fall des
Untersuchungsgebietes eine dynamische Selektion vor, die nur dann in eine
stabilisierende übergehen kann, wenn die drei unterschiedlichen ökologischen
Nischen über einen langen Zeitraum erhalten werden.
Die Orchis mascula-Population zeigt auf engstem Raum innerhalb des
Untersuchungsgebietes eine Formenvielfalt, die zunächst auf eine Aufspaltung des
Genpools schließen läßt. Doch die stufenweise Merkmalsdifferenzierung in Form
einer Cline-Ausbildung belegt eindeutig, daß der Genfluß zwischen den einzelnen
Teilpopulationen aufrechterhalten bleibt. Um jedoch endgültigen Aufschluß über
die taxonomische Gliederung der formenreichen Art befriedigend lösen zu können,
bedarf es daher verschiedener genetischer Untersuchungen, die im Rahmen dieser
Untersuchung nicht zu leisten waren. Es handelt sich aber aller
Wahrscheinlichkeit nach bei den untersuchten De-men von Orchis mascula um
Standortmodifikationen. Da verschiedene Formen von Orchis mascula in einzelnen
Herden gemeinsam auftreten, befindet sich die Orchis mascula-Population
in der Aufspaltung unter dem Niveau der Lokalrassen.
Einleitung
Die Klärung der Frage, wie viele Orchideen es in Europa gibt, ist bei
Systematikern, Geobotanikern und Phylogenetikern oft mit einem Glaubenskrieg
verbunden. Je nachdem wie und was gezählt wird, sind die Unterschiede in der
Artenzahl erheblich. Die dabei ausgewiesene Zahl reicht von 105 bis 246 Arten,
die vielen Unterarten dabei nicht eingeschlossen. Gründe für diese große Spanne
liegen zum einen im hohen Verwandtschaftsgrad und dem damit verbundenen hohen
Ähnlichkeitsgrad zahlreicher Orchideen, zum anderen in den verschiedenen
Methoden der Bestimmung begründet.
Orchideen sind mit ihrem Alter von 15 Millionen Jahren bekanntlich eine der
jüngsten Blütenpflanzenfamilien, was im Gegensatz zu anderen Pflanzenfamilien,
die bereits auf eine 100 Millionen Jahre alte Geschichte zurückblicken können,
zu einer wenig differenzierten Abgrenzung von nah verwandten Arten führt.
Aufgrund dieser Tatsache gibt es eine Fülle von Artengruppen innerhalb der
Orchidaceae, die oftmals durch
fließende Übergänge eine Unterscheidung äußerst schwierig gestalten lassen.
Ein hervorragendes Beispiel für die überaus hohe Variabilität stellt das
Stattliche Knabenkraut (Orchis mascula) dar, das auf einer rund 2 ha
großen Fläche im südöstlichen Weserbergland in einer bemerkenswert großen
Population vorkommt. Ihr Formenreichtum, der bei einer oberflächlichen
Betrachtung den Anschein erweckt, daß es sich hierbei um verschiedene Rassen,
wenn nicht sogar um unterschiedliche Arten der Familie der Knabenkräuter
(Orchidaceae)
handelt, ist der Anlaß einer Untersuchung gewesen, die für die morphologische
Abstufung (Abstufung in der äußeren Erscheinungsform) innerhalb des
Formenkreises verantwortlich sind.
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Geographische und topographische Lagebeschreibung des
Untersuchungsgebietes
Das Untersuchungsgebiet liegt in der Nähe von Amelunxen (Stadt Beverungen,
Kreis Höxter) im Wuchsgebiet des Weserberglandes. Die Kartierungsgebiete liegen
in einem rund 2 ha großen Areal des ansonsten 100 ha großen
Untersuchungsgebietes. Das gesamte Areal dieses Raums, welches eine
durchschnittliche Höhe von rund 240 m ü.NN aufweist, ist heute im Besitz der
Amelunxer Waldgenossenschaft und wird vom Staatlichen Forstamt Bad Driburg
betreut.
Geologisch-geomorphologische Struktur des Untersuchungsgebietes
Die Untersuchungsfläche befindet sich auf einem Plateau des Scheelenberges,
der sich mit seiner sargdeckelförmigen Struktur und seinen Schichtstufen in das
System der Mittelgebirgsformation des Weserberglandes einordnet. Dieser
Bergrücken gehört einer Hochfläche an, die durch fluviatile Erosion (Abtrag
durch Wasser) aus dem Gebirgssystem gelöst wurde. Die im Norden und Süden in
Ost-West-Richtung verlaufenden Talungen sowie die im Westen und Osten von Norden
nach Süden eingesenkten Täler trennen somit in markanter Weise diese Fläche von
den in ihrer Gesteinsformation sehr ähnlichen Oberflächenstrukturen ab. Im
Bereich des Plateaus kam es vereinzelt durch Zerschneidungen zur Auflösung der
flächenhaften Oberflächenform, so daß als Ergebnis trapezförmige Gebirgsrücken
entstanden, die aber durch ihren plateauhaften Charakter immer noch deutlich auf
eine ehemals homogene Hochfläche schließen lassen. Weniger innere als vielmehr
äußere Kräfte sind es gewesen, die für die Oberflächenstruktur (Relief)
verantwortlich waren. Für die tafelbergähnliche Gestalt sind jedoch nicht
ausschließlich äußere Kräfte als Ursache anzuführen, sondern die
Gesteinsformationen der Fläche selbst. Die in der Trias (vor 225-205 Mio.
Jahren) horizontal zur Ablagerung gekommenen Sedimente des Buntsandsteins,
Muschelkalks und Keupers verfestigten sich und bildeten Sedimentgesteine.
Entsprechend der Abfolge der jeweiligen geologischen Epochen tritt am
Hangfußbereich der fluviatil angeschnittene obere Buntsandstein zu Tage, der
weiter im mittleren Hangbereich in die mächtigen Formationen des unteren
Muschelkalkes übergeht. Dieser wird wiederum von einem schmalen Band des
Mittleren Muschelkalkes abgelöst. Der Oberhang setzt sich in Fortführung der
chronologischen Folge der Trias aus Gesteinsschichten des Oberen Muschelkalkes
zusammen, der im inneren Bereich, allerdings regional engbegrenzt, von
Formationen des Unteren Keupers überlagert wird. Aufgrund der Hanglänge sowie
der konkaven Hangstruktur wurden die Schichten des Keupers erodiert, so daß die
Decken des Oberen Muschelkalkes in den Randbereichen der Hochfläche den Abschluß
darstellen. Darüber hinaus rief der strenge Wechsel von harten und weichen
Gesteinsschichten der einzelnen Formationen eine treppenartige Stufung der Hänge
hervor, indem die weicheren Gesteine abgetragen wurden und somit die härteren
Schichten die Hangstruktur bestimmen. Diese als Schichtstufen zu bezeichnende
geomorphologische Erscheinungsform verdankt somit ihre Entstehung den
widerstandsfähigen Schichten des Unteren und Oberen Muschelkalkes. Sie werden
daher als Stufenbildner bezeichnet.
Diese spezifische Anordnung der Gesteinsabfolge finden wir ebenfalls im
südlichen Hangbereich vor, in dem auch das Untersuchungsgebiet gelegen ist. Da
sich die Untersuchungsfläche an der Hangoberkante befindet und sich in
nordwestlicher Richtung auf das Plateau ausdehnt, wird ihr Untergrund von dem
sehr widerstandsfähigen Oberen Muschelkalk bestimmt. Seine oberflächennah
anstehenden Gesteinsschichten, die durch chemische Verwitterung bankig zerfallen
sind, bedecken als Schuttmantel die darunterliegenden, ebenfalls zum Oberen
Muschelkalk gehörenden Schichten.
Klimatische Gegebenheiten des Untersuchungsgebietes
Das auf die Fläche einwirkende Klima weist in seinen Grundstrukturen eine
ozeanische Struktur auf, die aber, wie die kurzen Sommer und langen Winter
belegen, eine leicht kontinentale Tönung erfährt. Durch die
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fehlenden Barrieren im Osten dringen kontinentale Luftmassen aus
Zentralrußland in das Weserbergland vor und bringen im Sommer Wärme und im
Winter Kälte mit. Sie intensivieren somit die Extrema der auf die Region
wirkenden Klimabedingungen. Das südliche Weserbergland wird deshalb zum
Klimabereich Westliches Mitteldeutschland bzw. zum Klimabezirk "Oberes Bergland"
gerechnet. Mit mittleren Niederschlägen von rund 750 mm/a ist die Region und
damit auch die Umgebung der Untersuchungsfläche als niederschlagsarmer Bereich
auszuweisen. Auffällig dabei ist, daß der März mit einer durchschnittlichen
Niederschlagsmenge von nur 40 mm den trockensten, die Monate Juli und August
dagegen die niederschlagsreichsten Monate darstellen. Die Auswirkungen der
geringen Niederschlagsmengen werden durch die Tatsache verstärkt, daß die
jährlich aktuelle Verdunstung zwischen 450 und 500 mm/a liegt. Auf die
Untersuchungsfläche bezogen, die an einem südexponierten Hang gelegen ist,
dürfte wohl der Oberwert von rund 500 mm/a angenommen werden, so daß die
Differenz von 250 mm/a die Trockenanfälligkeit der Fläche deutlich
unterstreicht. Die mittlere Lufttemperatur liegt im Januar bei 0°C und im Juli
bei 16°C. Die Durchschnittstemperatur wird mit 8°C angegeben. Die mittlere Zahl
der Frosttage im Jahr schwankt zwischen 80 und 100, wobei aufgrund der
exponierten Lage auch hier der höhere Wert angenommen werden kann. Die Dauer der
frostfreien Periode umfaßt einen Zeitraum von 149 bis 192 Tagen.
Aufgrund der klimatischen Gegebenheiten erscheint die Vegetationsdauer im
Bereich der Untersuchungsfläche auffallend kurz, wenngleich die Waldbestockung
zumindest während der Vegetationsperiode den extremen Einfluß der Klimafaktoren
mindert.
Bodenformation des Untersuchungsgebietes
In Abhängigkeit von den Bodenbildungsfaktoren Ausgangsmaterial,
Oberflächenform, Lage und Klima entwickelte sich auf der Fläche eine mehr oder
weniger flachgründige Rendzina. Dieser AC-Boden, dem ein Anreicherungshorizont
(B-Horizont) fehlt, besitzt wegen seiner geringmächtigen Humusauflage schlechte
physikalische Eigenschaften. Diese äußern sich unter anderem in einer
geringfügigen Wasserspeicherkapazität und damit großen Trockenanfälligkeit sowie
in einer mäßigen Durchwurzelbarkeit. Auch seine (AC-Boden) chemischen
Eigenschaften bieten keine günstigen Voraussetzungen für eine hohes Wachstum,
wie die trockenrasenähnlichen Pflanzengesellschaften sowie der Buchenkrüppelwald
eindrucksvoll belegen. Aufgrund der Tatsache, daß keine
Bodenverlagerungsprozesse stattfinden und somit Mechanismen der Verbraunung,
Stoffanreicherung und Durchmischung ausbleiben, erweist sich dieser Bodentyp als
wenig wachstumsfördernde Grundlage. Zudem unterliegt der Ah-Horizont aufgrund
des Standorts der Rendzina einem leichten Abtrag, so daß die Ausbildung eines
mächtigen Oberbodens immer wieder unterbunden wird. Ferner trocknet, wie bereits
oben erwähnt, der A-Horizont aufgrund seiner Geringmächtigkeit und der leichten
Löslichkeit des Kalkes auffallend schnell aus, was eine Minderung der Aktivität
der Bodenorganismen hervorruft. Dies führt zu einer Verarmung des
Nährstoffgehalts, da der Prozeß der Nährstoffanreicherung in seiner Intensität
erheblich herabgesetzt erscheint. Insofern weist die Rendzina nur eine geringe
Variabilität in ihrer Ah-Mächtigkeit auf, was eine Unterteilung in Subtypen
fraglich erscheinen läßt. Die homogene Struktur der Rendzina läßt somit nur
bedingt eine Standortdifferenzierung erkennen.
Arbeitsweisen, Arbeitsverfahren und Zielsetzung der Untersuchung
Ziel der Untersuchung war es, die enorme Formenvielfalt beim Stattlichen
Knabenkraut, da sie nur in wenigen der gängigen Exkursionsfloren "erwähnt" wird,
zu erfassen und darzustellen. Hierzu wurden rund 500 Exemplare von Orchis
mascula nach Sproßlänge, Blütenstand, Blütenfarbe, Blattanzahl, Blattspreite und
Blattfarbe exakt katalogisiert, um auf diesem Wege die verschiedenen Formen
bestimmen zu können. Darüberhinaus wurden die Wechselbeziehungen zwischen
abiotischen und biotischen Faktoren, der belebten und unbelebten Umwelt,
erörtert, indem die jeweilige Biotopstruktur in Beziehung zur Gestalt der
einzelnen Orchideen gesetzt wurde. Hierzu bediente man sich einfacher
Meßmethoden zur Bestimmung der Lichtqualität und Bodenstruktur. Beispielsweise
wurde das BRAUN-BLANQUET-MODELL zum Bestimmen der
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Pflanzenbedeckungsgrade benutzt, um den einzelnen Zonen eine Lichtqualität
zuzuordnen. Mit Hilfe der Zeigerwerte nach ELLENBERG wurde das ökologische
Verhalten der vorkommenden Pflanzenarten auf der Untersuchungsfläche ermittelt
und daraus eine Standortanalyse abgeleitet. Diese Ergebnisse wurden im Anschluß
mit den bereits gewonnenen Resultaten über die äußeren Faktoren verglichen.
Daneben wurden Lichtintensität und der pH-Wert des Bodens untersucht und in
Beziehung zum ökologischen Verhalten nach ELLENBERG gesetzt. Auf dieser Basis
wurde es möglich, Wanderungsbewegungen und Merkmalsabstufungen herauszustellen,
die wiederum Tendenzen über die weitere Entwicklung der Orchideenart zulassen.
Obwohl eine genetische Untersuchung nicht durchzuführen war, konnten auf dieser
Grundlage sachgerechte Vermutungen über die Entwicklung der Herkunft vorgenommen
werden, und damit eine Fragestellung bearbeitet werden, die selbst heute in
Fachkreisen immer noch Anlaß heftiger Diskussionen ist. Insofern sind die
Aussagen am Ende der Auswertung als Hypothesen zu verstehen, die in dem einen
oder anderen Fall diskussionswürdig erscheinen können. Dagegen stellen die
Untersuchungsergebnisse eine solide Ausgangssituation zur Erstellung eines
Maßnahmenkatalogs dar, dessen Vorschläge nicht nur die Erhaltung des Bestandes,
sondern vor allem die Sicherung des Formenreichtums einer Pflanzenart auf
engstem Raum zum Ziel haben.
Beschreibung der Formenvielfalt beim Stattlichen Knabenkraut (Orchis
mascula)
Das Stattliche Knabenkraut (Orchis mascula) zeigt auf der
Untersuchungsfläche von rund zwei Hektar eine enorme Variabilität in der Gestalt
(vgl. Abb. 1/Abb. 4). Die
Merkmalsdifferenzierung reicht von kurzsprossigen zu langsprossigen Exemplaren.
Dabei treten Unterschiede von 43 cm auf. Vor allem die Unterschiede in der
Farbintensität der Einzelblüten ist hierbei auffallig. Das Farbenspektrum reicht
von blaßviolett, in Einzelfallen von weißlichen Blüten, über violette Formen zu
tiefvioletten dunklen Varianten. Bei einer genaueren Betrachtung der
Einzelblüten findet man noch Nuancierung in der Farbgebung der Lippen. So zeigen
dunkelviolette Typen oft gefleckte Lippen, während eine umforme Färbung der
Kronblätter bei blaßvioletten Formen vorliegt. Erscheint der Schlund weiß, nimmt
der Grad der Verblassung der violetten Farbe deutlich zu. Selbst die Gestalt der
Einzelblüten läßt Variationen in der Blütenmorphologie nachweisen. Während
voluminöse Einzelblüten eine markante Ausbildung des Sporns darlegen, verliert
der Sporn bei kleinblütigen Formen im Verhältnis zur Gesamtblüte erheblich an
Bedeutung. Die Unterlippe bei großen Exemplaren zeigt im Vergleich zu kleineren
Vertretern weiter gespreizte Teillappen auf. Außerdem treten neben duftenden
Formen auch duftlose Varietäten auf. In ähnlicher Weise lassen sich
Formunterschiede in der Ausbildung der Blattspreite nachweise. Hierbei stehen
sich lanzettliche, schmalblättrige Blätter breitflächigen Formen gegenüber.
Ferner differieren die Blattfarbe und Mächtigkeit der Cuticula (Wachsschicht)
erheblich. Die Blätter sind darüber hinaus in ihrer Farbgebung nochmals
unterschiedlich. So sind sie entweder gefleckt oder ungefleckt. Die Flecken auf
den Blättern sind bei dunkler Farbgebung meist scharf vom Farbuntergrund der
Blätter abgrenzt. Bei hellgrünen Blättern erscheint die Fleckenstruktur nur
schwach ausgebildet und wirkt daher eher "verfließend". Diese Blätter sind zum
Teil am Boden liegend oder aufrecht stehend, die Sproßachse umfassend. Die
Hochblätter variieren bei Orchis mascula in ihrer Ausformung sehr stark. Bei
großen Formen erscheinen die Hochblätter rund-eiförmig, breitflächig und
stengelumfassend, bei kleinwüchsigen Exemplare dagegen zurückgebildet.
Bei einer Gesamtbetrachtung der Orchis mascula-Formen lassen sich immer
wieder Merkmalspaarungen oder Kombinationen in der äußeren Erscheinungsform
nachvollziehen, so daß man sechs Formengruppen auf der Untersuchungsfläche
bestätigen kann. Am häufigsten und in ihrer Struktur meist gegensätzlich und
daher sich differenzierend gegenüber anderen Formen lassen sich dominierend
auftretende Stammformen unterscheiden:
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Stammformen:
kurze Sproßachse
- schmalblättrig
- hellgrüne Blattspreite
- kleiner Blütenstand mit vielen kleinen Einzelblüten
- duftend
- dunkelviolette Farbe der Blüte
lange Sproßachse
- breitblättrig
- dunkelgrüne Blattspreite
- großer Blütenstand mi wenigen großen Einzelblüten
- nicht duftend
- blaßviolette Blütenfarbe
Auffallend häufig ist ein sogenannter "intermediärer" Typus zwischen den
beiden Stammformen. Er wird durch folgende Merkmalspaarungen gekennzeichnet:
mehr oder weniger lange Sproßachse
- meist breitblättrig
- kleiner, aber reichhaltiger Blütenstand, weniger gedrängt stehende
Einzelblüten
- meist nicht duftend
- dunkelviolett bis violett
Neben diesen sehr häufigen und damit den Formenkreis von Orchis mascula
bestimmenden Varietäten entwickeln sich Sonderformen, die die Formenfülle in
beträchtlicher Weise steigern. Sie werden in ihrer Morphologie vornehmlich von
den Stammformen geprägt. Hinzu kommen neue Merkmalskombinationen, die zu einer
scheinbar völlig neuen Gestalt führen. Hierzu gehören vier häufig auftretende
Variationen:
kurze Sproßachse
- schmalblättrig
- kleiner Blütenstand mit wenigen kleinen Blüten
- nicht duftend
- fast weiß bis violette Blütenfarbe
lange Sproßachse
- breitblättrig
- kleiner Blütenstand mit wenigen Blüten
- nicht duftend
- dunkelviolette Blütenfarbe
lange Sproßachse
- schmalblättrig
- großer Blütenstand mit wenigen großen Blüten
- nicht duftend
- hellviolette Blütenfarbe
Sproßachse mittlerer Länge
- schmalblättrig
- großer Blütenstand mit wenigen Blüten
- duftend
- violette Blütenfarbe
Die Formenvielfalt des Stattlichen Knabenkrauts (Orchis mascula) zeigt
trotz der unterschiedlichen Merkmalsausprägung eine gewisse innere
Strukturierung in der Merkmalskombination auf. Obwohl bei der Trupp- bzw.
Herdenbildung in nicht wenigen Fällen verschiedene Ausformungen nebeneinander
existieren, bringt die räumliche Verteilung eine spezifische Konzentration
einzelner Varietäten hervor.
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Die Untersuchungsfläche erfahrt durch die Bestockung eine stringente
pflanzensoziologische Gliederung, so daß sich drei in sich einheitliche
strukturierte Zonen deutlich voneinander abgrenzen:
Zone 1 ist ein Eschenwald mit geschlossener Kraut- und Bodenschicht.
Die beiden letztgenannten Stockwerke des Eschenwaldes werden in extremer Form
vom einblütigen Perlgras und einigen Sauergräsern beherrscht. Die Strauchschicht
beschränkt sich dagegen auf einige wenige locker gestellte Sträucher der
Kahlschlaggesellschaft. Das pflanzensoziologische Gefüge weist auf eine
Waldmeister-Buchen-Eschen-Gesellschaft hin. Das relativ offene Kronendach
bewirkt einen starken Lichteinfall in diese Zone, was zur Folge hat, daß sich
der Boden erwärmt und somit eine Austrocknung in regenschwachen Monaten leichter
gegeben ist. Weiterhin fördert das offene Kronendach einen stärkeren
Regeneinfall, da der Niederschlag von keinem dichten Kronendach aufgehalten und
somit nicht gleichmäßiger dosiert werden kann. Die Konsequenz hieraus ist eine
Lösung bzw. Auswaschung des Kalkes aus dem Boden, was zur Steigerung des von der
Pflanze erreichbaren Eisengehaltes führt. Dies wird an den pH-Wert-Messungen
belegt. Die pH-Werte mit 6,5 im Ah- und 6,7 im A/C-Horizont weisen auf ein
schwachsaures Bodenmilieu hin (vgl. Abb. 9).
Zone 2 wird vornehmlich von einer in ihrem Zentrum dichten
Edellaubholzbestockung bestimmt. Der Bestandsrand, insbesondere gegen die
Eschenwaldformation, erscheint aufgerissen, was nach seiner Linienführung auf
eine forstwirtschaftliche Maßnahme schließen läßt. Hier bedeckt ebenfalls eine
Kraut- und Bodenschicht den Boden. Allerdings kann in diesem Fall nicht von
einer Geschlossenheit durch die unteren Stockwerke gesprochen werden. Die
Strauchschicht ist in dieser Waldformation nicht mehr nachzuweisen. Nach ihrer
pflanzensoziologischen Struktur gehört diese Zone der
Waldmeister-Buchen-Gesellschaft an.
Zone 3 wird vornehmlich von einem schwach-wüchsigen Buchenwald, dessen
Kronendach geschlossen erscheint, bestimmt. Als Unterbau kommt hier die
Hainbuche zur Geltung, die einen nicht unbeträchtlichen Anteil am Gesamtanteil
der Holzartigen einnimmt. Vereinzelt sind den Buchen noch Eschen und andere
Edellaubhölzer beigemischt, so
daß die Bestockung einem Laub-Mischwald entspricht. Die Kraut- und Bodenschicht
büßt erheblich an Fläche ein, wenngleich das Waldbingelkraut große Areale
einnimmt. Diese Waldformation weist demnach eine Bingelkraut-Buchen-Gesellschaft
aus. Das geschlossene Kronendach führt zu einer Abdunklung und Abkühlung der
Zone, da das Sonnenlicht nur in Form von verstreuten Sonnenflecken in die Zone
eindringen kann. Diese punktuell auftretenden Flecken erwärmen an den jeweiligen
Stellen den Boden, so daß das Waldbingelkraut an diesen Stellen in geringem Maße
vorkommt. Der Regen fallt in dieser Zone nicht direkt auf den Boden, da er durch
das dichte Kronendach aufgehalten wird. Dadurch, daß nur kleine Wassermengen den
Boden erreichen, ist nur eine geringe Kalkauswaschung in dieser Zone zu
verzeichnen. Die hohen pH-Werte mit 6,95 im Ah-, 7,4 im A/C und 8,2 im
C-Horizont kennzeichnen deutlich die basische Bodenreaktion.
Die spezifische Abfolge von Zone l über Zone 2 nach Zone 3, vom Eschenbestand
über Edellaubholzformation zum geringwüchsigen Buchenwald bringt eine
entsprechende Abstufung in der Merkmalsausbildung von Orchis mascula
sowie ihrem pflanzensoziologischen Verhalten mit sich.
Wie aus Abbildung 5 zu ersehen ist, nimmt der Prozeß der
Vereinzelung von Orchis mascula von Zone l nach Zone 3 drastisch zu.
Formieren sich die Orchis mascula-Exemplare unter dem Kronendach der Eschen zu
kompakten Trupps, die in einzelnen Arealen sogar in einer Herdenbildung mündet,
so nimmt die Populationsdichte in Richtung Zone 3 erheblich ab. Obwohl im
Buchenwald immer noch kleine Formationen auftreten, ist eine geschlossene
Arealbildung nicht mehr nachzuweisen. Ferner findet man, im Waldbingelkraut
eingestreut, in vermehrtem Maße Einzelexemplare, ein Phänomen, das sich in
beiden östlich davon gelegenen Waldgesellschaften nicht belegen läßt. Zudem kann
man in den Waldbingelkrautvorkommen immer wieder ungeschlechtliche Formen der
Orchis mascula feststellen. Der Prozeß der Vereinzelung setzt bereits in den
inneren Bereichen der Zone l ein und gelangt in der dritten voll zur Auswirkung.
Es tritt infolgedessen pflanzensoziologisch auf Orchis mascula bezogen eine
Verarmung in der Populationsdichte ein, so daß das Erreichen der unteren
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Dichtegrenze u. a. als Ursache für das Erlöschen des Orchis mascula
-Vorkommens im zentralen Bereich des Buchenbestandes anzusehen ist.
In gleicher Weise vollzieht sich die Merkmalsabstufung in der äußeren Form
des Stattlichen Knabenkrauts (Orchis mascula). Vom Eschen- zum
Buchenbestand nehmen Sproßlänge, Breitblättrigkeit, Chlorophyllgehalt und
Spornbildung in ausgeprägter Form zu. Dagegen verhalten sich Farbintensität der
Blütenblätter, Größe der Einzelblüten und Duftstoffe in umgekehrter Richtung.
Diese Merkmalsdifferenzierung tritt jedoch nicht in der hier dargelegten
Eindeutigkeit auf. Vielmehr kann ein Nebeneinander verschiedener Formen in einer
der Zonen festgestellt werden. Insbesondere in der Zone 2 treten typische
Vergesellschaftungen verschiedenster Varietäten des Stattlichen Knabenkrauts (Orchis
mascula) auf engstem Raum auf, was den Schluß zuläßt, daß dieser Bereich
eine Übergangszone in der Morphologie dieser Orchidee verkörpert. Doch nach den
Häufigkeitsberechnungen sowie den gravierenden Abweichungen in der
Merkmalsausbildung der Orchideen-Formen in der Zone l und Zone 3 ist die
Feststellung einer Merkmalsabstufung gerechtfertigt. Weiterhin ist ein Vorkommen
von typischen Merkmalspaarungen zu erkennen. So treten in Zone 3 z. B. viele
Exemplare mit einer großen Sproßlänge, einer großen Blattspreite und einer
hellvioletten Blüte auf, während in der Zone l viele Exemplare eine niedrige
Sproßlänge, eine kleine Blattspreite und eine dunkelviolette Blüte besitzen.
Auch hier ist wieder eine Abstufung zu erkennen (vgl. Abb.6).
Interpretation der Auswertung
Die Umweltfaktoren und mit ihnen die jeweiligen Pflanzengesellschaften prägen
in entscheidendem Maße die abiotische Struktur. Vor allem Licht-, Temperatur-
und Bodenverhältnisse stellen dabei die entscheidenden Faktoren dar, die als
abiotische Selektionsfaktoren maßgeblich für die Formenvielfalt verantwortlich
sind.
Standortansprüche des Stattlichen Knabenkrauts (Orchis mascula) lassen
sich nach der pflanzensoziologischen Exkursionsflora nach OBERDORFER und der
Exkursionsflora nach ROTHMALER wie folgt definieren:
Orchis mascula kommt häufig in Halbtrockenrasen (Mesobrometum),
auch in Eichen-Hainbuchen-Wäldern sowie in nährstoffreichen
Eschen-Buchenwaldungen vor. Die zuletzt genannte Waldformation mit ihren
Abwandlungen und Übergängen entspricht der Untersuchungsfläche. Die als
Halbschatten-Lichtpflanze charakterisierte Orchideenart bevorzugt mäßig trockene
bis frische, mehr oder weniger nährstoff- und basenreiche, dafür aber oft
kalkarme, aber mild bis mäßig saure, humose, mittel- bis tiefgründige Lehmböden.
Schon bei einer Bewertung der hier dargelegten Standortansprüche wird
offenkundig, daß Orchis mascula bei den abiotischen Faktoren eine gewisse
Toleranz besitzt.
Stellt man diesen Aussagen das in Form von Zeigerwerten nach ELLENBERG
festgelegte ökologische Verhalten der Orchis mascula gegenüber, so erhält
man für Licht-, Temperatur-, Kontinental-, Feucht-, Reaktions- und
Stickstoffzahl folgende Werte:
Lichtzahl
Temperaturzahl
Kontinentalzahl
Feuchtzahl
Reaktionszahl
Stickstoffzahl |
7
X
3
4
8
3 |
Diese Werte für die spezifischen Umweltfaktoren weisen das Stattliche
Knabenkraut (Orchis mascula) als Halblichtpflanze aus, die sowohl im
vollen Licht als auch im Schatten gedeihen kann. Während sie hinsichtlich der
Temperatur eine weite Spanne aufweist, also ein indifferentes Verhalten zeigt,
bevorzugt sie ein ozeanisch bis subozeanisches Klima, was ihr eine Verbreitung
in großen Teilen Mitteleuropas ermöglicht. Ihre Feuchtzahl kennzeichnet
ebenfalls eine Mittelstellung. Dabei steht sie zwischen Trocknis- und
Frischezeigern, was ihr die Fähigkeit bescheinigt, sowohl auf trockenen als auch
auf mittelfeuchten Böden wachsen zu können. Auch diese abiotische Raumstruktur
liegt im Untersuchungsgebiet vor. Zum einen stockt der Eschenbestand (vgl. Zone
1) auf einer frischen bis mittelfeuchten Rendzina, zum anderen kann sie sich
auch noch auf trockenen Böden behaupten. Gerade im Bereich der Zone 2 und 3
neigen die eher flachgründigen, wenig humosen, allerdings mit Laubstreu
bedeckten Rendzinen bei entsprechender Witterung zur Austrocknung, so daß vor
allem die
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Vegetation der Kraut- und Bodenschicht sehr schnell unter Wassermangel
leidet. In ähnlicher Weise läßt die Reaktionszahl ein gewisses Schwanken in
ihrem ökologischen Verhalten hinsichtlich der Bodenreaktion und des Kalkgehaltes
erkennen. Der Toleranzbereich von Orchis mascula reicht speziell in
diesem Fall von Schwachsäure- bis Schwachbasenzeiger und bestätigt ferner das
Vorhandensein von Kalk als Ausgangsgestein. Der bankig verwitterte,
oberflächennah anstehende Kalk bestätigt für das gesamte Untersuchungsgebiet in
zutreffender Weise die Aussage- und Interpretationsfähigkeit der Zeigerwerte für
das Stattliche Knabenkraut (Orchis mascula). Dagegen legt seine
Stickstoffzahl eine enge ökologische Amplitude fest, die ihr Vorkommen
vornehmlich auf stickstoffarmen Standorten charakterisiert. Auf mittelmäßigen
bis stickstoffreichen Böden wird demnach ihr Wachstum sichtbar erschwert.
Stellt man die von ELLENBERG, ROTHMALER und OBERDORFER definierten
Standortansprüche denen der Untersuchungsfläche gegenüber, kommt man zu einer
Übereinstimmung in den wesentlichen Kriterien des Standorts für Orchis
mascula. Hierbei tritt bei nahezu allen Angaben eine hohe Variabilität in
den jeweiligen Standortansprüchen auf. Sie läßt sich insbesondere durch die
Dreigliederung der Untersuchungsfläche transparent nachweisen. Aufgrund dieser
Tatsache basiert auch der hohe Modifikationsgrad (nicht erblich, sondern durch
äußere Einflüsse bedingte Veränderung) bei Orchis mascula, der sich in
extremer Weise in dem Formenreichtum innerhalb der Orchideenart niederschlägt.
Aufgrund des geschlossenen Kronendaches im Buchenbestand ist die Intensität
des Tageslichtes herabgesetzt, und die daraus folgende Tendenz zum
Längenwachstum bedingt eine morphologische Veränderung der Pflanzengestalt. Es
tritt die charakteristische Erscheinung der Vergeilung, auch Etiolement genannt,
auf. Auch wenn bei den Einkeimblättrigen wie beim Stattlichen Knabenkraut (Orchis
mascula) weniger die Länge der Sproßachse als vielmehr die Länge der Blätter
verändert wird, so weist das Längenwachstum von Orchis mascula deutlich
auf einen Lichtmangel hin. Es findet also durch die Veränderung der abiotischen
Faktoren, bezogen auf den Standort der Orchideen, eine Umwandlung von Blättern
und Sproß statt. Anhand der Abbildung 3 wird offenkundig,
daß die Veränderung der äußeren Gestalt eine Reaktion auf einen zu geringen
Lichteinfluß darstellt. Die typischen Etiolierungserscheinungen, wie kleine bis
rückgebildete Blattspreiten mit bleichem gelblichen Aussehen, was auf ein
Unterbleiben der Chlorophyllbildung zurückzuführen ist, kann in dieser Form
nicht bestätigt werden. Die Zunahme der Blattspreite in und der damit hergehende
Anstieg des Chlorophyllgehaltes weist vielmehr auf den mesomorphen Charakter von
Schattenblättern hin. Hingegen zeigen die Blätter in Richtung Zone l eher die
Morphologie eines mesomorphen-skleromorphen Typus auf, was auf eine lang
anhaltende intensive Sonneneinstrahlung zurückzuführen ist. Die Aussage wird
darüber hinaus durch die Tatsache unterstützt, daß glänzende Formen in Zone l
und vor allem in Zone 2 vorkommen. Es handelt sich dabei um eine Steigerung der
Wachsschicht mit der funktionalen "Zielsetzung", die Verdunstung herabzusetzen.
Wenn auch die Eindeutigkeit im Sinne einer Merkmalsabstufung nicht immer
erkennbar ist, weil in Zone 3 in Teilarealen die glänzenden Formen überwiegen,
so kann dieses als Ergebnis der Auswirkung von Sonnenflecken verstanden werden.
Nach der BLACKMAN-Regel ist zu sagen, daß die Variabilität in enger Beziehung zu
einzelnen äußeren Faktoren oder zu dem im Maximum befindlichen äußeren Faktor
steht. Die Intensität der Blütenfarbe nimmt von Zone l zu Zone 3 ab (vgl.
Abb. 1), das bedeutet, daß es in Zone l überwiegend
dunkelviolette Exemplare und in Zone 3 überwiegend violette bis hellviolette
Exemplare gibt. Dies ist durch den unterschiedlich großen Kalk- und Eisengehalt
des Bodens zu erklären, da ein hoher Eisengehalt die Farbintensität erhöht. In
Zone l ist der Kalkgehalt geringer, so daß die Pflanzen eher an Eisenionen
gelangen können. In der Zone 3 ist durch die geringere Kalkauswaschung ein
höherer Kalkgehalt zu verzeichnen. Somit wird die Möglichkeit der Eisenaufnahme
der Pflanze verringert. Die Farbintensität nimmt folglich ab.
Es liegt eine ökologische Merkmalsverschiebung vor, entlang allmählich sich
verändernden Umweltfaktoren (vgl. Abb.3/Abb.
6). Die Merkmalsdifferenzierung erfolgt kontinuierlich. Selbst unter der
Berücksichtigung, daß genetische Untersuchungen nicht angestellt wurden und das
Untersuchungsgebiet als kleinräumig anzusehen ist, kann man von einer
Cline-Bildung (stufenlose Merkmalsverschiebung) sprechen. Trotz der relativ
scharf abgesetzten
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Standorte und Lebensräume und der Merkmalsdifferenzierung zwischen Zone l und
3 kann man nicht unbedingt von einer Unterscheidung nach ökologischen Rassen
sprechen. Die Merkmalsabstufung ist nämlich fließend und ist nicht deutlich
genug abgestuft. Die spezifische Merkmalsbildung, die bei den Orchideen des
Eschenbestandes von denen des Buchenbestandes divergiert, lassen auf
Wirkungsweisen äußerer Selektionsfaktoren schließen. Insgesamt kann man dennoch
von einer ökologischen Differenzierung des Artbereiches durch eine Öko-Cline-Bildung
(... rein auf morphologischer Basis)
sprechen, da verschiedene Funktions- und Merkmalsbereiche erfaßt wurden. Sie ist
also modifikatorisch bedingt, d. h., daß Pflanzen mit völlig gleichem Erbgut
unter scheinbar gleichen Bedingungen eine Variabilität aufweisen. Aufgrund der
Merkmalsverschiebung weist Orchis mascula eine fließende Modifikabilität
auf, bei der die Modifikationen fortlaufend gradweise Veränderungen eines
Merkmals aufweisen. Dies wird vor allem mit der Zunahme der Sproßlänge und der
Nuancierung der Farbintensität offenkundig. Nach dem Vorkommen der hier
bestimmten Formenvielfalt ist nicht auszuschließen, daß unter gewissen Umständen
die Modifikation erhalten bleibt. Aufgrund der clinalen Differenzierung ist eine
Durchmischung des Genpools (Gesamtheit aller Gene innerhalb einer Population)
gegeben. Damit ist eine Aufspaltung der Art Orchis mascula in ökologische
Rassen nicht zutreffend. Jedoch beim Nachweis von Modifikationen -nicht unter
der Voraussetzung lang anhaltender modifikatorischer Wirkung besteht unter
Umständen die Möglichkeit, insbesondere durch die Merkmalsunterschiede der
Orchideen in Zone l und Zone 3, daß diese Modifikationen sich auf die Art
auswirken, indem Mutationen (genetische Veränderung) zur Wirkung gelangen und
somit zur Aufspaltung der Art in Rassen führen. Der hier beschriebene Weg der
Rassenbildung kann aber nur dann gewährleistet sein, wenn die räumlich stark
abgegrenzte Annidation möglich ist. Da davon auszugehen ist, daß die Familie der
Orchidaceen -in ihrer Entwicklung- sehr jung ist und eine typische schrittweise
Merkmalsverschiebung schneller zur Wirkung kommt, herrscht im Fall des
Untersuchungsgebietes eine sich verändernde Auslese vor, die nur dann in eine
stabilisierende übergehen kann, wenn die drei unterschiedlichen ökologischen
Nischen über einen langen Zeitraum erhalten werden und die nachgewiesene
modifikativ bedingte Differenzierung sich auf die Genstruktur auswirkt und somit
den Weg zur Rassenbildung darstellt.
Aufgrund der hohen Populationsdichte des Stattlichen Knabenkrauts (Orchis
mascula), was die Herdenbildung im Bereich des Eschenbestandes belegt, ist die
Annahme gerechtfertigt, daß diese als Ausgangs- bzw. als Ausgangspopulation für
die Ausbreitung der Orchideenart gewertet werden kann (vgl. Abb.
5). Von dieser Population aus ist es einzelnen Exemplaren gelungen, in die
Zonen 2 und 3 zu wandern, wobei eine typische Kanalisierung parallel zum Hang
erfolgt zu sein scheint. Doch darf die strenge Wanderungsrichtung nicht absolut
gesehen werden. Vielmehr gelingt es Orchis mascula, vom Zentrum des Pools
ausgehend sich in alle Richtungen kreisrund auszubreiten. Allerdings wirken in
der Peripherie einzelne abiotische Faktoren und unter diesen vor allem die
Lichtqualität und -quantität in einer Art und Weise, daß die kreisähnliche
Streuung einzelner Teilpopulationen eingedämmt wird, was der Prozeß der
Vereinzelung, der schließlich in die Vereinzelung endet, untermauert. Diese
Gegebenheit trifft für alle drei Zonen des Untersuchungsgebietes zu.
Bei einer oberflächlichen Betrachtung scheint der Vorgang der Streuung zur
Wirkung zu kommen, der jedoch nicht unweit vom Zentrum der Population zum
Erliegen kommt. Insofern erscheinen die Wanderungsrichtungen in nördlicher und
südlicher Richtung mäßig zu sein, während die West-Ost-Migration von höchster
Intensität ist, was sowohl die Hauptwanderungsrichtung als auch die Bildung von
Teilpopulationen in Zone 2 und 3 belegen. Die Lebensfähigkeit der Teilpopulation
ist jedoch in bezug auf eine Herdenbildung in der Edellaub- und Buchenwaldzone
gering, wenngleich Einzelexemplare höchste Wachstumsintensitäten erkennen
lassen. Diese Annahme ist insofern haltbar, wenn man bedenkt, daß von den großen
Orchis mascula - Formen keine deutliche Ausbreitung erfolgt. Sie besitzen
demnach nicht die Fähigkeit, als Ausgangsbasis für eine Ausdehnung der Art
dienen zu können. Lediglich im Bereich der Eschenwaldzone spalten sich kleinere
Areale der Orchideenart vom Zentrum ab. Dies beruht sowohl auf der einheitlichen
Struktur der Fläche, als auch auf der Populationsdichte im Zentrum der
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Initialpopulation. Andererseits ist es auch denkbar, daß es im Laufe der
Entwicklung der Waldformation zu einer Auflösung der Gesamtpopulation gekommen
ist, so daß es hier das Phänomen einer Streuung gegeben haben könnte. Durch das
Einsetzen des Kronenschlusses bei einem selbst schwachwüchsigen
Buchenkrüppelwald tritt eine Veränderung in der äußeren Struktur des gesamten
Areals ein. Eine Verringerung der Lichtverhältnisse und eine Vereinheitlichung
der klimatischen Faktoren verändern die standörtlichen Gegebenheiten im
Mikrobereich. Insofern ist die Annahme einer Auflösung des Gesamtbestandes
denkbar. Nach der Merkmalsdifferenzierung, die das Stattliche Knabenkraut (Orchis
mascula) als formenreiche Art ausweist, handelt es sich auf der
Untersuchungsfläche um Teilgesellschaften, die als Standortmodifikationen zu
bewerten sind (vgl. Abb. 3). Es handelt sich somit um eine
Anpassung an die standörtlichen Gegebenheiten.
Dennoch belegen die Merkmalsdifferenzierungen eine einsetzende
Formenvielfalt, die je nach naturräumlicher Ausstattung zur Entwicklung stabiler
Teilpopulationen führen kann. Die Variabilität liegt demnach unterhalb der
Unterart, also nicht im Bereich der Sub-species, sondern im Bereich der
Varietätenausbildung. Es ist also immer noch ein einheitlicher Genpool
vorhanden.
Bei langanhaltenden ähnlichen äußeren Einflüssen kann es möglicherweise zu
einer Stabilität der Formen kommen, so daß eine starke Unterscheidung der
Teilpopulationen in Erwägung zu ziehen ist.
Taxonomie und Systematik
Die Stattliche Knabenkraut (Orchis mascula) -Population zeigt auf
engstem Raum innerhalb des Untersuchungsgebietes eine Formenvielfalt, die
zunächst auf eine Aufspaltung des Genpools schließen läßt. Doch die stufenweise
Merkmalsdifferenzierung in Form einer Cline-Ausbildung belegt eindeutig, daß der
Genfluß zwischen den einzelnen Teilpopulationen aufrechterhalten bleibt. Somit
ist die freie Durchmischung des Genpools nicht eingeschränkt, eine freie
Kombinierbarkeit (Rekombination) ist daher gewährleistet. Die Teilpopulationen
von Orchis mascula sind aufgrund ihrer Variabilität als offene Systeme
zu bezeichnen. Dennoch weisen die Formen der Zone l und 3 bereits deutliche
Unterschiede in ihrer Morphologie auf, was einerseits die These einer
Öko-Cline-Bildung stützt, andererseits stehen hierzu die Anzahl der
Zwischenformen in Zone l und 2 sowie die geringe geographische Distanz mit ihrer
Funktion einer geographischen Separation im Widerspruch zur obigen Annahme. Bei
einer Bewertung aller Kriterien hinsichtlich der Darstellung der evolutiven
Entwicklung der Teilpopulationen (=Deme) von Orchis mascula ist davon
auszugehen, daß der Genfluß durch Wanderung nur wenig behindert ist. Da selbst
die Distanzisolation gering erscheint und somit kaum ein Gefälle der
Allelhäufigkeiten angenommen werden kann, ist die Annahme einer Cline-Bildung
fraglich. Insofern ist es anzuzweifeln, ob die Trennung der Orchis mascula
-Formen stark genug ist, um Lokalrassen (Subspecies) auszubilden.
Mit Sicherheit reichen die Merkmalsunterschiede jedoch aus, um die Deme als
Varianten einer Art definieren zu können. Ferner steht fest, daß bei der
Wanderung verschiedener Orchis mascula -Individuen in verschieden
strukturierten ökologischen Nischen, die spezifisch durch die
pflanzensoziologische Struktur bestimmt werden, Umwelteinflüsse zu Abwandlungen
ihrer Morphologie geführt haben. Diese Anpassung an verschiedene Standorte ruft
im Rahmen der ökologischen Einnischung eine unwahrscheinliche Formenfülle
hervor, die eine eindeutige Zuweisung der Individuen zu ein und derselben Rasse
sichtbar erschwert. Hierbei handelt es sich um eine fließende Modifikabilität,
bei der die Modifikationen eine fortlaufende gradweise und stetige
Formabwandlung hervorrufen. Da in den einzelnen Zonen verschiedene Formtypen
gleichzeitig auftreten können, sogar in einem Areal einer Zone nebeneinander
gedeihen, herrscht eventuell sogar die alternative Modifikabilität. Betrachtet
man jedoch die Merkmalsabstufung in den drei Vorkommen, ist der erstgenannten
Modifikabilität der Vorrang einzuräumen. Wenn man den allgemeinen
Gesetzmäßigkeiten der Modifikation folgt, daß genetisch festliegt, welche Gene
durch Umweltfaktoren beeinflußt werden können und auf welche Art und Weise die
Pflanzen auf die gegebenen Umweltbedingungen reagieren, dann steht außer Frage,
daß eine Vererbung erworbener Eigenschaften nicht gegeben ist. Es könnte
lediglich bei konstant divergierenden Umweltbedingungen zu einer
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Stabilisierung der Modifikation mit nachfolgender Mutation kommen, die
schließlich zu einer Rassenbildung fuhrt. Um endgültigen Aufschluß über die
Einordnung der formenreichen Art befriedigend lösen zu können, bedarf es
verschiedener genetischer Untersuchungen, die im Rahmen dieser Untersuchung
nicht zu leisten waren. Es handelt sich aber aller Wahrscheinlichkeit nach bei
den untersuchten Demen von Orchis mascula um Standortmodifikationen. Da
verschiedene Formen von Orchis mascula in einzelnen Herden gemeinsam
auftreten, befindet sich die Population in der Aufspaltung unter dem Niveau der
Lokalrassen.
Maßnahmen zur Erhaltung des Bestandes
Aufgrund der Einzigartigkeit des Stattlichen Knabenkraut (Orchis mascula)
-Bestandes, die sich in der Populationsdichte und im Formenreichtum äußert,
sind folgende Maßnahmen zur Erhaltung zu beachten:
I. Die Struktur der drei
ökologischen Nischen - bestehend aus mittelaltem Eschenbestand, Edellaubholz und
Buchenaltholz mit Edellaubhölzern durchsetzt und mit der Hainbuche als
Unterholz - ist zu erhalten, um die unterschiedliche Standortstruktur
aufrechtzuerhalten, denn nur auf diese Weise ist der hohe Grad der
Standortmodifikation bei Orchis mascula zu gewährleisten
II. Forstliche Maßnahmen sollten behutsam vorgenommen werden:
A. Die Erhaltung des
Eschenbestandes ist dringend geboten.
B. Eine Erweiterung des
Edellaubholzbestandes durch eine gezielte Auflockerung in Richtung Buchenaltholz
ist unter Umständen zu befürworten, damit durch eine Erweiterung der
Übergangszone die Möglichkeit einer weiteren Verbreitung der Orchideen gegeben
ist.
C. Eingriffe in das Buchenaltholz
sollten insbesondere bei Kronenschluß vorgenommen werden, um die abiotischen
Voraussetzungen für das Wachstum des stattlichen Knabenkrauts zu sichern.
Hierbei erscheint eine selektive Entnahme einzelner Baumstämme empfehlenswert.
III. Bei Bringung des
eingeschlagenen Holzes sind Rückeschäden, Bodenverdichtungen und Fahrzeugspuren
zu vermeiden.
IV. Der Holzeinschlag sowie die
Bringung des Holzes aus dem Bestand sollte in der vegetationsfreien Zeit
erfolgen. Auf diese Weise können Beschädigungen der Pflanzen ausgeschlossen
werden.
V. Bei starker Durchfeuchtung des
Bodens sollte vor allem das Rücken des Holzes mit schweren Maschinen
unterbleiben, um Bodenverdichtungen zu vermeiden.
VI. Das Rücken der Stämme empfiehlt
sich schonend mit Hilfe von Pferden vorzunehmen.
VII. Das Areal sollte den
Waldbesuchern nicht zugänglich gemacht werden, da ansonsten die Gefahr von
Trittschäden gegeben ist.
VIII. Eine Eingatterung des
Gebietes ist empfehlenswert, um Wühlschäden durch Schwarzwild und Dachs zu
vermeiden. Der Zaun ist in diesem Fall in den Boden einzugraben. Ferner sollte
zur Unterstützung der Schutzmaßnahmen der Jagddruck in der Umgebung der
Untersuchungsfläche verstärkt werden.
IX. Pflegemaßnahmen im Sinne der
Vermeidung eines möglichen Konkurrenzdrucks durch Perlgras oder Waldbingelkraut
sind nach Abschätzung der Sachlage möglich, jedoch nach dem derzeitigen
Entwicklungsstand nicht erforderlich. Sollte allerdings der erstgenannte Fall
eintreten, sind die Eingriffe in die Krautschicht keineswegs flächendeckend
vorzunehmen. Die Durchführung sollte dabei manuell erfolgen.
X. Bei einem verstärkten Auftreten
von Sträuchern infolge einer Auflichtung der Bestände sollte bei hohem
Bedeckungsgrad der Kahlschlaggesellschaften diese auf ein gewisses Maß
zurückgedrängt werden, damit der Konkurrenzdruck eingeschränkt wird.
XI. Bodenverändernde Vorgänge oder
Bodenverwundungen, die vor allem den Ah-Horizont betreffen, sind zu unterlassen,
um die Symbiosen nicht zu beeinträchtigen
XII. Die Bestände sollen gegenüber
den angrenzenden Waldungen unbeeinflußt bleiben, damit eine indirekte
Einflußnahme von außen auf die Orchideenpopulation ausbleibt.
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Literaturnachweis
Ellenberg, Heinz (1982): Vegetation Mitteleuropas mit den Alpen. Stuttgart.
Ellenberg, Heinz (1992): Zeigerwerte von Pflanzen in Mitteleuropa. Göttingen.
Kühn, A. (1984): Grundriß der Vererbungslehre. Heidelberg.
Oberdorfer, E. (1983): Pflanzensoziologische Exkursionsflora. Stuttgart.
Rothmaler, Werner (R. Schubert/W. Vent) (1986): Exkursionsflora. Berlin.
Runge, F. (1990): Pflanzengesellschaften Mitteleuropas. Münster.
Thommen, Eduard (1973): Taschenatlas der Schweizer Flora. Stuttgart.
Walter, Heinrich (1973): Allgemeine Geobotanik. Stuttgart.
Winkler, Sieghard (1979): Einführung in die Pflanzenökologie. Ulm.
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Abb. 4 Die Merkmalsverschiebung der einzelnen morphologischen Aspekte
Abb. 5 Grobe Kartierung der verschiedenen Teilpopulationen von Orchis mascula mit Migrationspfeilen (Hypothese)
Abb. 6 Das kombinierte Auftreten von Orchis mascula mit den morphologischen Eigenschaften "große Sproßlänge, große Blattspreite, hellviolette Blütenfarbe".
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Abb. 4b Die Merkmalsverschiebung der einzelnen morphologischen Aspekte
Abb. 10 Die Größe der Blattspreite in den jeweiligen Gebieten. Die Gebiete A-C entsprechen der Zone 1, D-E der Zone 2 und H-L der Zone 3.
Abb. 6b Das kombinierte Auftreten von Orchis mascula mit den morphologischen Eigenschaften "kleine Sproßlänge, dunkelviolette Blütenfarbe".
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